Absturz vor Scharm el Scheich 2004: Ägyptischer Ex-Airline-Chef kommt vor Gericht

Mehr als 20 Jahre nach dem Absturz eines ägyptischen Billigfliegers vor dem Badeort Scharm el Scheich mit 148 Toten soll sich der Ex-Chef der damaligen Fluggesellschaft in Frankreich vor Gericht verantworten. Der Prozess wegen Totschlags gegen den 71 Jahre alten Ägypter Mohamed Nour soll am 24. November beginnen, wie die Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag aus Justizkreisen erfuhr. Die meisten der Opfer kamen aus Frankreich.

Der frühere Chef von Flash Airlines steht im Verdacht, ehemalige Militärpiloten ohne ausreichende Ausbildung für Linienflüge eingesetzt zu haben. Die Boeing 737 war am 3. Januar 2004 drei Minuten nach dem Start abgestürzt. Dabei kamen alle 135 französischen Passagiere und 13 Besatzungsmitlieder ums Leben. Mehr als 500 Angehörige der Opfer haben sich als Nebenkläger gemeldet. 

Die juristische Aufarbeitung des Falls zog sich sehr lange hin. Ein Opferverband hatte aus eigener Initiative 2007 einen Expertenbericht vorgelegt, der zahlreiche Vorwürfe erhebt, unter anderem gegen die französische Luftfahrtaufsicht, weil sie den Flug genehmigt hatte. 

Ein erstes Verfahren in Frankreich war 2017 eingestellt worden. Die Justiz hatte argumentiert, dass der Absturz auf Pilotenfehler zurückgehe. Ein Berufungsgericht nahm 2019 die Ermittlungen wieder auf. Im selben Jahr wurde der französische Staat verurteilt, dem Opferverband 10.000 Euro Schadensersatz wegen der Verzögerung des Verfahrens zu zahlen. 

Die französische Staatsanwaltschaft spricht von „zahlreichen Versäumnissen und  ungenauen Berechnungen“ der beiden Piloten. Diese seien die „direkte Ursache“ des Absturzes gewesen. Es habe sich um erfahrene Militärpiloten gehandelt, die jedoch nicht ausreichend für eine Passagiermaschine ausgebildet gewesen seien. 

Gegen den Ex-Chef der mittlerweile aufgelösten Fluggesellschaft wird seit Ende 2021 wegen Totschlags ermittelt. Ihm wirft die Staatsanwaltschaft vor, die mangelnde Ausbildung der Piloten und die Erschöpfung der Besatzung nicht berücksichtigt zu haben. Nach einem 2009 veröffentlichten Gutachten hatte der Pilot in den beiden Wochen vor dem Unfall anstrengende Schichten und ungewöhnlich kurze Ruhezeiten gehabt. Deshalb habe wahrscheinlich auch Müdigkeit eine Rolle gespielt.