Wandel nach Pandemie: Psychologe: Homeoffice hat klare Vorteile fürs Wohlbefinden

Seit der Corona-Pandemie ist die Arbeit im Homeoffice für viele Beschäftigte ein großes Anliegen. Manche müssen aber wieder ins Firmenbüro zurück. Was sind die Folgen? Welche Tipps gibt es?

Vor fünf Jahren ist der erste Corona-Fall in Hessen bestätigt worden. Pandemie und Lockdown verhalfen dem Homeoffice in weiten Teilen der Arbeitswelt zum Durchbruch. Viele Menschen haben seitdem den Wunsch, daran festzuhalten. „Für die Zufriedenheit der Mitarbeitenden und ihr Wohlbefinden belegen die meisten Studien klare Vorteile von Homeoffice“, erklärt der Frankfurter Sozialpsychologe Rolf van Dick.

Doch was ist mit der Produktivität der Menschen, die in den eigenen vier Wänden ihrer Arbeit nachgehen? Dazu gebe es ebenfalls Studien, die positive Effekte zeigten, erläutert van Dick. Es lägen aber auch Studien vor, die gar keine oder sogar negative Auswirkungen belegten. Es hänge beispielsweise davon ab, ob die Beschäftigten selbst bestimmen können, ob sie von zu Hause arbeiten und in welchem Umfang sie das tun.

Mobiles Arbeiten kann auch Probleme verursachen

„Wir haben dazu selbst Studien während und nach Corona gemacht und können zeigen, dass diejenigen, die nicht freiwillig im Homeoffice sind – zum Beispiels während des Lockdowns oder weil das Unternehmen es ihnen vorschreibt -, eher Probleme berichten wie erhöhten Koordinationsaufwand oder auch Gefühle von Einsamkeit“, erklärt der Leiter der Abteilung Sozialpsychologie an der Goethe-Universität.

Inzwischen sind viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wieder zur sogenannten Präsenzarbeit ins Firmenbüro zurückgekehrt – nicht immer freiwillig. Das kann nach Angaben des Experten psychologische Folgen für die Beschäftigten haben. Werde Mitarbeitenden Autonomie weggenommen, wirke sich dies fast immer schlecht auf Zufriedenheit und das Engagement aus.

„Misstrauen verschlechtert das Arbeitsklima“

„Insbesondere wenn als Grund für die Rückkehr ins Büro vom Management die bessere Kontrolle angeführt wird, hat dies negative Effekte – denn Kontrolle signalisiert Misstrauen und Misstrauen verschlechtert das Arbeitsklima“, erklärt der Sozialpsychologe. 

Andererseits könne es auch hilfreich sein, zumindest einen oder zwei Tage im Büro zu sein, denn persönliche Kontakte erhöhten das Vertrauen und die Identifikation mit dem Team und haben mehr gegenseitige Unterstützung zur Folge. Daher sollten Unternehmen mit Betriebsräten und je nach Erfordernissen der Tätigkeit einen Rahmen in Form von Betriebsvereinbarungen vorgeben, der allen eine Orientierung biete. 

Rückkehr ins Büro gut begründen

Das könne zum Beispiel so aussehen: Zwei Tage Homeoffice für alle, zwei Tage Arbeit im Büro, und ein Tag wird nach Absprache mit der direkten Führungskraft flexibel gestaltet, erklärt er. Die Rückkehr ins Büro sollte dann tatsächlich mit Erfordernissen der Tätigkeit wie Kundenkontakt, bessere Bürotechnik oder Teambuilding begründet werden, aber nicht mit größeren Kontrollmöglichkeiten.