Nach Einschätzung der Grünen liegt die schwindende Attraktivität des Lehramtsstudiums auch an schlechten Arbeitsbedingungen. Was schlägt die Opposition vor?
Im zurückliegenden Jahr haben in Hessen deutlich weniger Menschen ein Lehramtsstudium begonnen als in den Jahren zuvor. Im Sommersemester und Wintersemester zusammengerechnet gab es 2024 insgesamt 3553 Anfänger in einem grundständigen Studium für alle Schulformen. Das geht aus einer Antwort des Kultusministeriums in Wiesbaden auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen-Landtagsfraktion hervor. Im Durchschnitt der Jahre 2018 bis 2023 gab es jährlich 4283 Studieneinsteiger – also rund zwölf Prozent mehr.
Der Grünen-Bildungsexperte Daniel May bilanzierte, dies sei gegenläufig zur Entwicklung der Zahl der Studienanfänger und -anfängerinnen an Hessens Hochschulen insgesamt. Anscheinend habe der Beruf als Lehrkraft gegenüber anderen Berufen an Attraktivität verloren. „Das ist in Anbetracht des nach wie vor erheblichen Lehrkräftemangels auch in Hessen äußerst besorgniserregend“, warnte May.
Hohe Arbeitsbelastung an Haupt- und Realschulen
„Die größten Sorgen bereitet uns derzeit der Bereich Haupt- und Realschullehramt“, ergänzte der bildungspolitische Sprecher der Grünen. Hier sei der Rückgang der Studienanfänger geradezu dramatisch. „Dies dürfte nicht zuletzt daran liegen, dass die Arbeitsbelastung an Schulen dieser Schulformen oft als besonders hoch empfunden wird.“ Es handele sich häufig um Schulen mit vielen Schülern und Schülerinnen aus schwierigen Verhältnissen oder einem besonderen Förderbedarf.
Die Grünen forderten daher, dass der Ausbau multiprofessioneller Teams vor allem an diesen Schulen weiter beschleunigt wird, erklärte May. Zudem sollten schnellstmöglich weitere Wege ins Lehramt geschaffen werden, um gezielt neue Zielgruppen für den Lehrerberuf zu gewinnen.
Studentenzahlen waren wegen Corona-Pandemie eingebrochen
Die Anzahl der Studienanfängerinnen und -anfänger sei bundesweit – nicht nur im Lehramtsstudium – infolge der Corona-Krise eingebrochen, erläuterte ein Sprecher des Kultusministeriums. „Dass sich die Zahlen der Studentinnen und Studenten fürs Lehramt danach nicht wieder erholt haben, war nicht unbedingt zu erwarten.“ Der Anstieg der Studierendenzahlen im Grundschulbereich deute darauf hin, dass der Lehrkräfteberuf nach wie vor attraktiv sei. Vermutlich spiele hier auch die Anhebung der Vergütung für Grundschullehrer und -lehrerinnen eine Rolle.