Rekord von Cory Booker: Telefonbücher, Rezepte, Gutenachtgeschichten: Die längsten Reden im US-Senat

Mehr als 25 Stunden lang hat ein Politiker im US-Senat gesprochen. Sogenannte Filibuster sind in der US-Politik ein legitimes Mittel, erfordern aber viel Kraft. 

Wenn im Deutschen Bundestag ein Abgeordneter die Redezeit überschreitet, wird er vom Präsidium sofort ermahnt. Mit derlei Regeln müssen sich die Volksvertreter im US-Senat nicht herumschlagen: Ihnen steht uneingeschränkte Redezeit zur Verfügung. Und manche machen davon exzessiven Gebrauch.

Cory Booker, Senator aus New Jersey, hat gerade einen neuen Rekord für die längste Rede aufgestellt. „Ich werde nicht aufhören zu reden, solange ich körperlich dazu in der Lage bin“, hatte der 55-Jährige angekündigt. Am Ende wurden es 25 Stunden und fünf Minuten. Damit wollte der demokratische Senator gegen die Politik von Präsident Donald Trump demonstrieren. Trump habe Amerikas Sicherheit, finanzielle Stabilität und die Grundfesten der Demokratie in Gefahr gebracht: „Dies sind keine normalen Zeiten in Amerika. Und sie sollten im Senat auch nicht als solche behandelt werden.“

Bis dahin hatte Strum Thurmond den Rekord 68 Jahre lang innegehabt. Er sprach 1957 24 Stunden und 18 Minuten lang. In der Fotostrecke sehen Sie, wer die fünf längsten Reden im US-Senat hielt.

Filibuster im US-Senat: Ein körperlicher und mentaler Kraftakt

In aller Regel werden solch lange Reden als Filibuster eingesetzt – also um eine Abstimmung über ein Gesetz zu verhindern. Das Phänomen war bereits im alten Rom als „Ermüdungsrede“ bekannt. Bei dem Vortrag von Booker handelte es sich aber genau genommen nicht um einen Filibuster, da er sich nicht gegen ein bestimmtes Gesetz wandte.

Wird einem Senator das Wort erteilt, darf er so lange reden, wie er möchte, auch muss es dabei nicht unbedingt durchgängig um das Thema der Debatte gehen. Thurmond referierte zwischendurch über Kuchenrezepte, legendär ist auch die Rede von Alphonso D’Amato, der aus dem Telefonbuch vorlas. Regeln gibt es dennoch: Der Senator muss während der gesamten Rede stehen, im Saal bleiben und zusammenhängend sprechen. Allerdings darf er Fragen entgegennehmen. 

Ein Filibuster ist somit ein körperlicher und mentaler Kraftakt. Der Erfolg ist meist überschaubar, oft handelt es sich eher um eine symbolische Aktion, um Aufmerksamkeit auf ein Anliegen zu lenken.