Kollision auf Ribnitzer See: Tödlicher Bootsunfall: Zu dunkel, zu schnell, ohne Licht?

Ein Freizeitboot ist an einem lauen Sommerabend auf entspanntem Familienausflug, als es auf einem See von einem anderen schwer gerammt wird. Eine Frau stirbt. Die Schuldfrage wird vor Gericht geklärt.

Der tödliche Bootsunfall auf dem Ribnitzer See im Sommer 2022 lässt auch nach dem ersten Verhandlungstag am Amtsgericht Stralsund viele Fragen offen. Angeklagt ist der heute 38-jährige Bootsführer, der am Abend es 16. August 2022 mit seinem Sportangelboot ein Freizeitboot rammte, das mit sechs Angehörigen einer Familie besetzt war. Eine 66-jährige Frau starb, andere Insassen wurden teils schwer verletzt. 

Diese Fakten waren am ersten Verhandlungstag unstrittig. Wie, wann genau und warum es aber zu dem Unfall kam, darüber gab es völlig unterschiedliche Angaben und Darstellungen von dem der fahrlässigen Tötung Angeklagten auf der einen Seite und dem als Zeugen geladenen 58-jährigen Skipper des zweiten Bootes.

„Es tut mir leid“ 

Der 38-Jährige, der viele Jahre als Matrose in der Hochseefischerei und zuletzt auf einem Behördenboot arbeitete, betonte in seiner Aussage als Erstes, dass ihm das, was passierte sei, leidtue. Allerdings habe er das andere Boot nicht sehen können, da es kein Licht eingeschaltet habe. „Und es war schon stockdunkel.“ Das andere Boot sei aus dem Nichts gekommen und er habe nur einen Knall mitbekommen, als wäre er über eine Tonne gefahren. 

An Bord des anderen Boots waren neben dem Bootsführer auch dessen Frau, Tochter und Sohn, Mutter sowie deren 66-jährige Schwester, die ums Leben kann. Seiner Darstellung zufolge war der Angeklagte erheblich zu schnell auf dem Ribnitzer See unterwegs. „Nach meinem Eindruck mit Vollgas und 90 bis 100 Stundenkilometer“, betonte der Zeuge. Das Boot habe aufgrund der hohen Geschwindigkeit mit dem Bug hoch aus dem Wasser geragt. Zudem sei es falsch beleuchtet gewesen. 

Rechtsgespräch ohne Verständigung 

Am Unfallort auf dem See rund 500 Meter vom Hafen von Ribnitz-Damgarten spielten sich nach dem Zusammenstoß dramatische Szenen ab. Die heute 77-jährige Schwester der Getöteten, die ebenfalls als Zeugin aussagte, wurde damals meterweit aus dem Boot geschleudert. „Ich dachte zunächst, uns hat eine Rakete getroffen.“ Der 58-jährige Skipper erlitt bei dem Unfall eine Schädelfraktur, der Sohn einen offenen Beinbruch. 

Das Angelboot sei quasi von hinten über das Boot geflogen und habe die Aufbauten komplett gestört. „Ich erinnere mich noch, dass ich verwundert war, dass ich auf einmal stehen konnte, wo ich vorher nicht aufrecht stehen konnte“, sagte die 52-jährige Ehefrau, die per Video als Zeugin zugeschaltet wurde, mit Blick auf die abgerissenen Bootsaufbauten.

Keine zweifelsfreien Angaben ergaben sich zum exakten Unfallzeitpunkt, was auch zur Beurteilung der Lichtverhältnisse wichtig ist. Früheren Angaben zufolge geschah der Unfall gegen 21.36 Uhr, eine Zeugin sprach von etwa 21.20 Uhr. Ein von der Verteidigung nach der Mittagspause angeregtes Rechtsgespräch zwischen der Richterin, Staatsanwaltschaft und Verteidiger brachte keine Verständigung.

Urteil vermutlich am 9. April

Der Termin für die Hauptverhandlung wurde anberaumt, weil der Angeklagte Einspruch gegen einen vom Amtsgericht Stralsund im Mai 2024 erlassenen Strafbefehl von neun Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung eingelegt hatte. Zudem wurde ihm damals auferlegt, einen Geldbetrag in Höhe von 2.000 Euro zugunsten einer gemeinnützigen Einrichtung zu zahlen.

Der Prozess hätte eigentlich am ersten Tag mit einem Urteil zu Ende gehen können. Allerdings blieb ein geladener Zeuge, der damals im Boot des Angeklagten saß, der Verhandlung unentschuldigt fern. Er wurde mit einem Ordnungsgeld von 100 Euro belegt. Er soll nun am 9. April aussagen. Danach wird dann ein Urteil erwartet.