„Die Saat des heiligen Feigenbaums“: Die bisherige deutsche Oscar-Bilanz

„Die Saat des heiligen Feigenbaums“ geht für Deutschland ins Oscar-Rennen. Nur ein weiterer Erfolg aus den vergangenen Jahren.

Für Deutschland geht bei der anstehenden 97. Oscarverleihung der im Iran gedrehte Politthriller „Die Saat des heiligen Feigenbaums“ an den Start. Auch einige deutsche Filmschaffende können im Dolby Theatre von Los Angeles auf Preise hoffen. Die bisherige deutsche Oscar-Bilanz.

Heimlich im Iran gedrehter deutscher Oscar-Beitrag

Bei „Die Saat des heiligen Feigenbaums“ handelt es sich um einen ungewöhnlichen Beitrag in der Kategorie bester internationaler Film. Regisseur Mohammad Rasulof (52) drehte sein Werk heimlich im Iran und musste dann nach Deutschland fliehen, um einer mehrjährigen Haftstrafe einschließlich von Peitschenhieben zu entgehen. Die Postproduktion des Films, in dem ausschließlich Farsi gesprochen wird, fand in Deutschland statt.

Bei seiner Weltpremiere in Cannes erhielt „Die Saat des heiligen Feigenbaums“ bereits den Sonderpreis der Jury.

Weitere deutsche Oscar-Chancen 2025

Mit der Nominierung von „Die Saat des heiligen Feigenbaums“ setzt sich eine positive deutsche Tendenz in der Sparte bester internationaler Film bei den Academy Awards fort. Denn schon im Jahr zuvor war hier İlker Çataks (41) „Das Lehrerzimmer“ nominiert. Wiederum ein Jahr davor gewann Edward Bergers (54) „Im Westen nichts Neues“. In den drei Jahren zuvor war hingegen kein deutscher Beitrag überhaupt nominiert.

Beim letzten deutschen Oscar-Sieger „Im Westen nichts Neues“ handelt es sich daneben um den erfolgreichsten deutschen Film der bisherigen Oscar-Geschichte. Vier Academy Awards konnte das Werk des in Wolfsburg geborenen Regisseurs Berger gewinnen – neben dem besten internationalen Film auch Oscars für das beste Szenenbild für Christian M. Goldbeck (51) und für die beste Kamera für den Briten James Friend (39).

Daneben gewann Komponist Volker Bertelmann (58), auch bekannt unter seinem Künstlernamen Hauschka, den Oscar für die beste Filmmusik. Bertelmann ist auch in diesem Jahr wieder nominiert – für Edward Bergers neuen Film „Konklave“.

Auch „September 5“ mit Leonie Benesch hat eine Oscar-Chance

Bei einem Sieg würde der Musiker mit Filmmusik-Legende Hans Zimmer (67) gleichziehen, der zwei Academy Awards gewinnen konnte – 1995 für den Score zu „König der Löwen“ und 2022 für „Dune“. Zimmer kommt auf insgesamt zwölf Nominierungen.

Ebenfalls für die US-amerikanisch-britische Koproduktion „Konklave“ einen Oscar gewinnen könnte die deutsche Kostümbildnerin Lisy Christl (60).

Auch der deutsche Spezialeffektkünstler Gerd Nefzer (59) ist in diesem Jahr für einen Oscar nominiert – für seine Arbeit an Denis Villeneuves (57) „Dune: Part Two“. Nefzer ist bereits zweifacher Oscarpreisträger, triumphierte 2018 für „Blade Runner 2049“ und 2022 für „Dune“.

„Das Lehrerzimmer“-Hauptdarstellerin Leonie Benesch (33), die gerade erst auf der Berlinale mit „Heldin“ für Furore sorgte, ist indes Teil der Besetzung des Thrillers „September 5“, dessen Drehbuchautoren Tim Fehlbaum (43), Moritz Binder (42) und Alex David 2025 für einen Oscar nominiert sind.

Die deutsche Oscar-Bilanz im Lauf der Jahrzehnte

In der Kategorie bester internationaler Film – oder bis 2019 bester fremdsprachiger Film – konnten überhaupt erst vier Titel einen Sieg davontragen. Neben „Im Westen nichts Neues“ waren das „Das Leben der Anderen“ (2007), Caroline Links (60) „Nirgendwo in Afrika“ (2003) sowie die Grass-Verfilmung „Die Blechtrommel“ (1980).

Der ikonische Naturdokumentarfilm „Serengeti darf nicht sterben“ gewann 1960 den Oscar für den besten Dokumentarfilm.

Noch weiter in die Oscar-Historie zurückgehen muss man für Siege in den Schauspielkategorien. Bei der ersten Oscarverleihung 1929 gewann ein Mann namens Emil Jannings (1884-1950). Der unter anderem aus „Der blaue Engel“ bekannte Mime war somit der erste beste Hauptdarsteller aus der langen Geschichte der Academy Awards.

Sandra Hüller ging 2024 leer aus

Im Jahr 1937 und nochmals im Folgejahr konnte die gebürtige Düsseldorferin Luise Rainer (1910-2014) jeweils in der Kategorie „Beste Hauptdarstellerin“ den Goldjungen gewinnen. Somit liegt der letzte deutsche Oscar-Sieg in einer Schauspielkategorie fast 87 Jahre zurück.

Star-Schauspielerin Sandra Hüller (46) war im vergangenen Jahr für ihr Spiel im Justizthriller „Anatomie eines Falls“ für einen Oscar als „Beste Hauptdarstellerin“ nominiert, ging jedoch leer aus. Sie war als überhaupt erst dritte Deutsche für einen Goldjungen in dieser Kategorie nominiert – nach Rainer und Leinwandlegende Marlene Dietrich (1901-1992).

Zumindest halb durften wir uns 2009 („Inglourious Basterds“) und 2012 („Django Unchained“) für Christoph Waltz (68) freuen. Der Wiener hat einen aus München stammenden Vater – und stieg mit seinem Doppelsieg in der Kategorie „Bester Nebendarsteller“ in den Olymp Hollywoods auf.